Forschung

CHIMPs | Kinder psychisch kranker Eltern
 

Implementierung und Evaluation eines familienbasierten Interventionsprogrammes für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern (CHIMPs) – eine randomisiert-kontrollierte Multicenterstudie

Liebe wissenschaftlich interessierte Besucher,

auf dieser Seite möchten wir einige wissenschaftlich relevante Informationen zum Projekt geben.

CHIMPs Zentrumsleiter (v. l. n. r.): Prof. Kilian (Ulm-Günzburg), Prof. Kronmüller (Gütersloh-Paderborn), Prof. Wiegand-Grefe (Hamburg), Dr. Mallmann (Rheingau). Nicht abgebildet: Prof. von Klitzing (Leipzig), PD Dr. Winter (Berlin), Dr. Albermann (Winterthur). Foto: © CHIMPs

In Deutschland leben ca. 3 Millionen Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern, die als Hochrisikogruppe für die Entwicklung eigener psychischer Erkrankungen bekannt sind. Etwa 30% der erwachsenen psychiatrischen Patienten sind Eltern minderjähriger Kinder.

Familienorientierte Interventionen erscheinen nach Bedarfsermittlungen in der internationalen Literatur am sinnvollsten, da sie den Ängsten der Eltern wirksam begegnen und auf der Grundlage einer vertrauensvollen Beziehung zu den Eltern späteren Auffälligkeiten der Kinder präventiv begegnen. Zudem können bereits auffällige Kinder einer frühzeitigen Intervention und Frühbehandlung zugeführt werden.

Aus der gesundheitsökonomischen Perspektive sind psychische Erkrankungen mit hohen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden. Sie haben oft im Kindes- und Jugendalter ihre Vorläufer. Die Behandlungsbedürftigkeit dieser betroffenen Kinder frühzeitig zu erkennen und eine adäquate Früherkennung und Frühbehandlung einzuleiten, ist nicht nur aus ethischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen notwendig.

Zentrale Ziele und Fragestellungen
Das zentrale Ziel dieses Projektes besteht darin, die manualisierte Familienintervention CHIMPs für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern von 3 – 18 Jahren an den beteiligten sieben Zentren in der Routineversorgung zu implementieren und in einem randomisiert-kontrollierten Forschungsdesign multizentrisch zu evaluieren.
Methode
Im Forschungsdesign handelt es sich um eine prospektive, randomisiert-kontrollierte Multicenterstudie eines Vergleich von Interventions- (CHIMPs) und Kontrollgruppe (TAU = Treatment as usual) im prä-post-Design mit Messzeitpunkten zur Baseline sowie nach sechs, 12 und 18 Monaten.
Es wird die Perspektive des erkrankten Elternteils, des Partners und jedes Kindes (3-9 Jahre nur Fremdeinschätzung, ab 10 Jahren zusätzlich Selbstbeurteilung) sowie der Therapeuten erfasst. Es finden sowohl indirekte (prä-post) als auch direkte Messungen (zum Ende der Intervention) statt.
Implementierung des Interventionsansatzes CHIMPs
Die Implementierung findet in den Zentren Hamburg, Rheingau, Ulm-Günzburg, Leipzig, Gütersloh-Paderborn, Berlin und Winterthur statt. Die Intervention erfolgt nach dem veröffentlichten CHIMPs-Manual und beinhaltet 8 themenbezogene Sitzungen (Familienvorgespräch, zwei Elterngespräche, ein Gespräch mit jedem Kind, drei Familiengespräche) über einen Zeitraum von 6 Monaten. Die Sitzungen sind semistrukturiert und behandeln die Themen elterliche Erkrankung und Krankheitsbewältigung, psychische Gesundheit und Lebensqualität der Kinder, Familienbeziehungen und soziale Unterstützung. Eingeschlossen werden Familien bzw. Alleinerziehende mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil (schizophrene, affektive, Angst- und Zwangserkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen) und Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren. Die psychische Erkrankung ist dadurch nachweisbar, dass der Elternteil sich aktuell oder in den letzten fünf Jahren in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung befand.

Erster Innovationspreis für Prävention und Früherkennung

Kinder psychisch kranker Eltern wurden lange nicht als Angehörige und Mitbetroffene einer elterlichen psychiatrischen Erkrankung wahrgenommen, anerkannt und aufgeklärt, obwohl sie den Auswirkungen der Erkrankung am hilflosesten ausgeliefert sind. In den letzten zehn Jahren hat eine Wende im Bewusstsein der Fachöffentlichkeit und auch der Krankenkassen stattgefunden. Das CHIMPs Projekt wurde von einer Jury von 12 namhaften Experten aus über 60 Projekten aus dem Gebiet der Prävention ausgewählt und erhielt den ersten Innovationspreis für Prävention und Früherkennung der KKH Allianz in 2011. Foto: © CHIMPs
Die Studie ist in nationalen und internationalen Studienregistern eingetragen:

Deutsches Register klinischer Studien: https://drks-neu.uniklinik-freiburg.de/drks_web/navigate.do?navigationId=trial.HTML&TRIAL_ID=DRKS00006806

Clinical Trials:
 https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02308462?term=chimps&rank=1

Publikationen

 

Das Manual zum CHIMPs-Beratungsansatz:

Wiegand-Grefe, S., Halverscheid, S. & Plass, A. (2011). Kinder und ihre psychisch kranken Eltern. Familienorientierte Prävention – Der CHIMPs-Beratungsansatz. Göttingen: Hogrefe.

 

Ausgewählte publizierte Evaluationsergebnisse der CHIMPs-Intervention:

Wiegand-Grefe, S. Alberts, J., Petermann, F., Plass, A. (2016). Familienfunktionalität und familiäre Beziehungen im Perspektiven-vergleich. Effekte einer manualisierten Intervention für Familien mit einem psychisch kranken Elternteil. Differential Perspectives on Family Functioning and Interfamilial Relationships. The Effect of a Manualized Intervention Program for Children of Mentally Ill Parent. Kindheit und Entwicklung 02/2016; 25(1).

Wiegand-Grefe, S., Filter, B., Plass, A., Werkmeister, S., Gronemeyer, B., Bullinger, M., Schulte-Markwort, M. & Petermann, F. (2015). Familienintervention CHIMPs – Psychische Gesundheit und gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder psychisch kranker Eltern. Nervenheilkunde, 34, 55-64.

Wiegand-Grefe, S. Cronemeyer, B., Plass, A., Schulte-Markwort, M., Petermann, F. (2013), Psychische Auffälligkeiten von Kindern psychisch kranker Eltern im Perspektivenvergleich. Effekte einer manualisierten Familienintervention. Kindheit und Entwicklung 22(1), 31-40.

Wiegand-Grefe, S., Cronemeyer, B., Halverscheid, S., Redlich, A., Petermann, F. (2013). Krankheitsbewältigung psychisch kranker Eltern und psychische Auffälligkeit ihrer Kinder im Fokus einer manualisierten Familienintervention.Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie, und Psychotherapie, 61/1, 51-58.

Wiegand-Grefe, S., Werkmeister, S., Bullinger, M., Plass, A. & Petermann, F. (2012). Gesundheitsbezogene Lebensqualität und soziale Unterstützung von Kindern psychisch kranker Eltern. Effekte einer manualisierten Familienintervention. Kindheit und Entwicklung 21/1, 64-73.

 

Weitere aktuelle Veröffentlichungen:

Plass, A., Haller, A., Habermann, K., Barkmann, C., Petermann, F., Schipper, Wiegand-Grefe, S., Hölling, H., Ravens-Sieberer, U., Klasen, F. & BELLA study group (2016) Factors promoting mental health in children of parents with mental health problems. Kindheit und Entwicklung 01/2016; 25(1).

Wiegand-Grefe, S., Filter, B., Lambert, M., Mallmann, D., Kilian, R., Kronmüller, K., von Klitzing, K. & Wegscheider, K. (2015). CHIMPs – Ein multizentrisches Projekt für Kinder psychisch kranker Eltern. Dialog Erziehungshilfe, 1, 35 – 38.

 

Hier finden Sie einen Überblick über alle Publikationen aus dem CHIMPs-Projekt:

CHIMPs_publication_list_2015

 

 

 

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Koordination

Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe

Prof. Dr. Martin Lambert

Prof. Dr. Karl Wegscheider

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

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Projektpartner

Universitätsklinikum Leipzig
(Prof. Dr. Kai von Klitzing)

Universität Ulm
(Prof. Dr. Reinhold Kilian)

Vitos Klinik Rheinhöhe
(Dr. Doris Mallmann)

LWL-Klinikum Gütersloh & LWL-Klinik Paderborn
(Prof. Dr. Klaus-Thomas Kronmüller)

Charité Berlin
(PD Dr. Sibylle Winter)

Kantonsspital Winterthur
(Dr. Kurt Albermann)

Kontakt (Koordination)

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